Das klassische Haiku besteht aus 17 Silben, aufgeteilt in 3 Zeilen von jeweils 5, 7 und wieder 5 Silben. Da es sich im japanischen nicht tatsächlich um Silben sondern Lautzeichen handelt, hat es sich etabliert, dass fremdsprachige Haikus diesem System nicht unbedingt folgen müssen um als Haiku zu gelten. Ich persönlich halte die Form eines Werkes für genauso essentiell für seine Wirkung wie seinen Inhalt und schreibe daher weiterhin im traditionellen Stil.

Das Haiku beschreibt Eindrücke aus der Natur ohne diese zu werten. Ein Haiku versucht sich nicht an geschickten Wortspielen oder interessanten Wortschöpfungen - es begnügt sich damit Erfahrungen möglichst eindrücklich zu schildern, meist sehr einfache Begebenheiten. Was das Haiku auszeichnet ist die Erkenntnis, dass im aller Kleinsten das Größte zu erkennen ist. Goethe sagte zu Eckermann: “Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist Repräsentant einer ganzen Ewigkeit”.

Damit erfasst das Haiku den Kern des Zen-Bhuddismus: dass alles Leid aus Begehren kommt. Entweder dem Begehren, etwas möge nie enden oder dem Begehren, etwas möge möglichst schnell enden. Nur wer die Dinge nimmt wie sie kommen und gehen erreicht einen Zustand der Gleichgültigkeit - das Nirvana.

Drache & Hase ist ein avantgardistisches Blog, das das traditionelle Verständnis des Haikus und die Moderne zu vereinen sucht. Nicht länger wird die Natur beschrieben sondern viel mehr die menschliche Umwelt von außen betrachtet. Eine Beschreibung der Natur ist heute nicht mehr möglich, denn alles wurde bereits vom Menschen berührt und verformt. Die Natur als “vom Menschen unberührt” gibt es damit nicht mehr.

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